Monika Kissling
Astrologin, Miss Etoile
Die Berufsastrologin Monika Kissling war im «Volksstimme»-Nachtcafé zu Gast. Sie verriet unter anderem, welchen Einfluss die Astrologie auf ihr Leben hat und welche Themen während ihrer Beratungen oft zur Sprache kommen.
sg. «Die dümmste Frage, die mir jeweils gestellt wird ist die, ob ich an Astrologie glaube», sagte Monika Kissling. «Einen Arzt fragt man auch nicht, ob er an die Medizin glaubt.» «Volksstimme»-Chefredaktor Rolf Wirz stellte die Frage nicht. Kissling gab die Antwort dennoch: «Es ist egal, ob man daran glaubt. Meine tägliche Arbeit beweist mir, dass Astrologie eine Wissenschaft ist, die jeder Prüfung standhält.» Kissling, besser bekannt als «Madame Etoile» auf Radio DRS 3, war am vergangenen Donnerstag im «Volksstimme»-Nachtcafé zu Gast.
«Eine Landkarte bewirkt nichts, aber man kann sie deuten», sagte Kissling. Genauso sei es mit den Sternen. «Durch das Entschlüsseln der Himmelskarte sehe ich die Lebenssituation eines Menschen.»
«Supertreffer in dem Sinne gibt es selten», sagte Kissling. Es sei eine Illusion, dass man anhand der Sterne Ereignisse voraussehe. «Vieles, was im Leben passiert, kann man nicht vermeiden.» Ob die Sterne für ein Ereignis gut stünden, könne man jedoch sehr gut voraussagen. «Bei den Hochzeiten, für die ich das Datum festgelegt habe, hat es nie geregnet», so Kissling. Kein Zufall, dass sie Hochzeiten als Beispiel nannte. «Fragen zur Liebe und zu Beziehungen interessieren die Leute am meisten.» Darum sei dieser Bereich ein fixer Bestandteil ihrer Beratungen. Auch berufliche Fragen würden ihre Klienten interessieren, so mache sie zum Beispiel Laufbahnberatungen.
Wie die Astrologie ihr eigenes Leben beeinflusse, wollte Rolf Wirz wissen. «Ich lebe einfach damit», sagte Kissling und lächelte. Und – nach kurzem Über legen: «Eine Reise oder eine Operation würde ich verschieben, stünden die Sterne am geplanten Datum nicht gut.» Dass die vergangene Woche laut Sternen «eine konfuse Woche» gewesen sei, hat Kissling nicht abgehalten, ins Nachtcafé in der Oberen Fabrik in Sissach zu kommen. Es sei eine «Spielerei», dass sie – wenn sie aussuchen könne – Termine anhand von Sternenkonstellationen festlege. Den starken Neptun der vergangenen Woche habe sie ganz einfach übersehen, als sie sich für das Nachtcafé-Datum entschieden habe.
«Wie die Jungfrau zum Kind» sei Kissling zur Astrologie gekommen. In einer Zeitung habe ein Astrologe inseriert. Weil sie «nicht recht drausgekommen» sei, habe sie begonnen, sich damit auseinander zu setzen und Horoskope von Familienmitgliedern und Freunden zu erstellen.
Heute ist sie, nach Astrologie-Studium und mehreren Weiterbildungen, die wohl erfolgreichste Berufsastrologin der Schweiz. Und könne inzwischen gut davon leben, wie sie eine Frage aus dem Publikum beantwortete. Kunststück, bei einem Eineinhalb-Stunden-Ansatz von 480 Franken. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», sagte Kissling. Auf Radio DRS 3 hat sie als «Madame Etoile» ihre eigene Sendung und arbeitet neben den persönlichen Beratungen für das «St. Galler Tagblatt», für die «SonntagsZeitung» und für andere Medien.
Von den «herkömmlichen» Zeitungshoroskopen halte sie nicht viel, verriet sie. Die kurzen Texte würden wohl nach Zufallsgenerator ausgewählt. «Das muss man als Unterhaltung sehen.» Für ein aussagekräftiges, persönliches Horoskop brauche es mehr als nur ein Sternzeichen.
«Ich antworte auf die Fragen, die mir gestellt werden», sagte Kissling. Man müsse sich aber bewusst sein, dass es Fragen gäbe, die sie nicht beantworten könne. Von zwei Themen halte sie sich bewusst fern: Finanzen und Fussball. «Theoretisch wäre es zwar möglich zu bestimmen, ob die Konstellation für einen Meistertitel einer Fussballmannschaft gut sind», so Kissling. Dazu müsse man aber alle Spieldaten und die genauen Geburtsangaben der Spieler haben. «Das führt eindeutig zu weit.»
Volksstimme Nr. 81 / 2005