Charlotte Heinimann
Schauspielerin
Die Basler Film- und Bühnenschauspielerin Charlotte Heinimann hat im Nachtcafé der «Volksstimme» die Zuhörer nicht nur mit ihren Worten, sondern auch mit deren «Verpackung» in ihren Bann gezogen.
jg. Ja, die Geschichte mit der Fasnachtslarve. Gesprächsleiter Robert Bösiger, der Nachtcafé-Wirt, musste erst etwas sticheln, bis Charlotte Heinimann die Anekdote aus ihrem «früheren Leben» als Kindergartenleiterin erzählte. Sie habe mit den Kindern Larven gebastelt und hinterher mit ihnen eine kleine Trocken-Marsch-Übung veranstaltet. Sie selber schritt voraus. Mit Blockflöte statt mit Piccolo, wie es das Klischee verlangt. Doch ein Junge scherte immer und immer aus dem Zügli aus.
Die Pointe, weshalb der Andreas immer wieder falsch lief, ist ja an sich eine mittelprächtige. Doch wie die Basler Schauspielerin und Kabarettistin die Szene nachspielte und nacherzählte, war ein Genuss. Hier der ahnungslose Knabe, dort die erst sehr verständnisvolle, dann immer entnervtere Junglehrerin, die beim Fasnachtsmarsch stets einen Zacken mehr zulegt.
Mimik und Gestik wirken lassen
Spätestens hier haben die Zuhörer beim Nachtcafé der «Volksstimme» begriffen: Jede prominente Person auf dem Podium kann mit Weisheiten, kühnen Behauptungen oder Schlagfertigkeiten punkten. Aber ebenso wichtig ist die Verpackung. Charlotte Heinimann machts vor. Sie schiesst mit ihren Antworten nie drein, sondern schickt oft erst ein kurzes Kichern voraus, ehe sie antwortet. Stets unterstützt mit Gestik und Mimik, ohne aufgesetzt zu wirken.
30 Jahre Bühnenerfahrung
Die Frau mit 30 Jahren Bühnenerfahrung erzählt von den Dreharbeiten zum «Hunkeler»-Krimi «Die Augen des Ödipus», der am Sonntag im Fernsehen lief. Sie erklärt, weshalb sie dort problemlos Hedwig, die Partnerin des Kommissars, alias Mathias Gnädinger, spielen kann, obschon er auch im richtigen Leben sieben Jahre lang ihr Lebenspartner war. Also nicht nur die Augen des Andreas, sondern auch des Ödipus liefern beim «Volksstimme»-Talk reichlich Gesprächsstoff.
Sie schwärmt auch vom Fräulein Rottenmeier, ihrer neusten Rolle im Musical Heidi. «Von dieser Figur bin ich begeistert», gesteht sie zum Erstaunen vieler. Und tatsächlich: Der gross gewachsenen Schauspielerin ist die Rolle der gestrengen Hauslehrerin auf den Leib geschrieben, denken sich sogleich alle in der Oberen Fabrik in Sissach.
Tatsächlich führt sie alle in die Irre, wenn sie im Rottenmeier-Stil nüchtern darlegt, weshalb Kinder eigentlich «keine normalen Menschen» sind, bis der Hinterste und Letzte auch auf diese Schauspielerei reingefallen ist.
Denn Heinimann hat Kinder gern. Selbst den Queraussteiger damals im Kindergarten. Sie hatte bei der Larve von Andreas, wie sich nach dem x-ten Fehlversuch herausstellte, die Augen auszustechen vergessen.
Bilder zum Nachtcafé mit Charlotte Heinimann finden Sie in unserer Galerie auf www.volksstimme.ch
Volksstimme Nr. 34 / 2012