Nachtcafé vom 17.11.2022   Liste aller Gäste       

Ueli Jäggi
Schauspieler 

Ueli Jäggi

Die Wandelbarkeit in Person

Sissach | Schauspieler Ueli Jäggi zu Gast im «Volksstimme»-Nachtcafé

Der Schauspieler Ueli Jäggi kann nicht nur in die verschiedensten Rollen schlüpfen, sondern auch mehrere Dialekte perfekt sprechen. Mit seiner Wandelbarkeit und mit humorvollen Anekdoten unterhielt er das Publikum am «Volksstimme»-Nachtcafé von vergangener Woche bestens.

Als Moderatorin Anita Crain auf der Leinwand zwischen Fotos hin und her wechselte, die Ueli Jäggi in den verschiedensten Rollen zeigen, ging abermals ein Raunen durchs Publikum. Die rund 30 Besucherinnen und Besucher des «Volksstimme»-Nachtcafés vom vergangenen Donnerstag konnten kaum glauben, wie wandelbar der Basler Schauspieler ist. Er spielt etwa in der ARD-Krimiserie «Donna Leon» einen Gerichtsmediziner, im Schweizer Film «Zwingli» einen Bischof oder in der SRF-Krimiserie «Wilder» einen geheimnisvollen Sägereibesitzer. Für ein Fotoshooting wurde Jäggi auch schon so gestylt, dass er Hollywoodstar Donald Sutherland in der Rolle des Staatspräsidenten in der Filmreihe «Die Tribute von Panem» verblüffend ähnlich sah.

Das grosse schauspielerische Talent von Ueli Jäggi hatte sich früh abgezeichnet, wie aus seinen Erzählungen in der Sissacher Oberen Fabrik hervorging. Er spielte unter anderem im Jugendtheater in Basel. Und schon im Gymnasium sei sein Lehrer überzeugt gewesen, dass er dereinst als Schauspieler arbeiten werde. «Deshalb», so sagte Jäggi mit einem Schmunzeln, «hat man mich trotz ungenügender Leistungen durchs Gymi gelassen.» Später machte Jäggi den Eltern zuliebe noch einen Umweg über ein Universitätsstudium, ehe er sich an der Schauspiel-Akademie in Zürich einschrieb.

Abgeschlossen hat er diese nie, was seiner Karriere allerdings nicht schadete: Jäggi spielte in unzähligen Theaterstücken, Kinofilmen und Fernsehserien mit. Die Liste mit seinen Rollen ist beinahe endlos. «In meiner Karriere hatte ich immer auch eine gewisse Portion Glück», sagte er zur Moderatorin Anita Crain. So habe er schon als Schauspielschüler in den 1980er-Jahren Angebote aus Deutschland erhalten. Als junger Mann trat er am Theater der Jugend in München und am Nürnberger Schauspielhaus auf. «Früher war es normal, die Karriere im Theater zu starten», blickte Jäggi zurück. Heute hingegen wollten viele junge Schauspielerinnen und Schauspieler so schnell wie möglich ins Kino.

Als Walliser durchgegangen

Trotz mehrfacher Auszeichnungen und Auftritten in erfolgreichen Fernsehserien, Kinofilmen und Hörbüchern blieb das Theaterspielen ein wichtiger Teil im Berufsleben des freischaffenden Schauspielers. Jäggi ist aktuell Teil von drei Produktionen des Basler Theaters. «Ich liebe den Austausch und den Kontakt mit dem Publikum, wenn ich auf der Theaterbühne stehe», sagte er am «Nachtcafé». So erfahre er die direkte Reaktion auf seine Schauspielleistung. «Sind die Zuschauer beispielsweise atemlos oder lachen sie, weiss ich, dass eine Szene gelungen ist.»

Zudem dürfe beim Theaterspielen improvisiert oder auch einmal «gestolpert» werden, wenn der Text vergessen geht. «Das ist menschlich», meinte Jäggi. Bei Filmproduktionen hingegen sei der Druck grösser. Dort hätten schauspielerische Fehler monetäre Folgen. «Denn auf dem Set», so Jäggi, «ist Zeit Geld.» Der 68-Jährige verriet zudem, dass er Castings auch nach mehr als 40 Schauspieljahren nicht sonderlich gerne habe. «Sie fühlen sich jeweils wie unliebsame Prüfungsmomente an, die ich bereits in der Schulzeit gehasst habe.»

Wie solche Castings zuweilen zustande kommen, beschrieb Jäggi mit einer Anekdote. So sei er einmal von einem Regisseur des Bayerischen Rundfunks kontaktiert worden, mit der Frage: «Sie sind doch Schweizer, Sie können sicherlich Rätoromanisch sprechen?» Das Publikum in der Oberen Fabrik lachte herzhaft. Jäggi erzählte, dass es ihm schliesslich gelungen sei, ein paar «rätoromanische» Sätze zu sprechen. Ihm genüge es jeweils, die Aussprache eines Dialekts zu hören, alsdann könne er ihn nachahmen. Mittlerweile beherrscht Jäggi mehrere Dialekte beinahe perfekt. Zu seinem Repertoire gehören etwa Bern-, Bündner-, Nidwaldner- oder Walliserdeutsch. Ein Walliser Regisseur habe ihn einmal mit Stirnrunzeln gefragt, aus welchem Tal er denn stamme. «Dieser Mann», so Jäggi mit einem Schmunzeln, «meinte, eigentlich jeden Walliser Schauspieler zu kennen…»

Jäggis Verständnis verschiedener Dialekte hatte sich früh entwickelt: In Olten geboren und im Appenzell aufgewachsen, ist seine Familie nach Basel gezogen, als er im Jugendalter war. «Als Kind vom Land war Basel für mich zu Beginn eine Grossstadt.» Nach dem Umzug sei er mit dem Tram quer durch die Stadt gefahren, «und sie wollte und wollte nicht aufhören», erinnerte sich Jäggi. Mittlerweile hat er um einiges grössere Städte als Basel gesehen – auch dank seines schauspielerischen Talents, das ihn über die hiesigen Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Janis Erne