Nachtcafé vom 25.11.2003   Liste aller Gäste       

Francine Jordi
Schauspielerin 

Francine Jordi Eine aufgekratzte Francine Jordi war zu Gast im «Volksstimme»-Nachtcafé. Die quirlige Bernerin sprach über ihre Karriere, deren Gefahren, den Eurovision-Flop und ihr Fast-Einrücken in die Flieger-RS.

pm. «An meinen Konzerten muss ich Dampf ablassen, denn ich bin ein Energiebündel.» Ihren Worten verlieh Francine Jordi vergangenen Donnerstagabend im «Volksstimme»-Nachtcafé mit ihrer Körpersprache Nachdruck: Das ruhig Sitzen auf der Bühne des KiK machte dem 26-jährigen Berner Schlagerstar Mühe: Die Beine wippten unablässig, die Hände flatterten herum und ihre kecken Lachsalven endeten jeweils mit einem quiekenden Geräusch.
Jordis Nervosität ist nachvollziehbar: Eineinhalb Jahre sind seit ihrem letzten Album ins Land gezogen. Jetzt ist die neue CD da – und mit ihr die Pflicht, die Gunst des Publikums zurückzugewinnen. In ihrer langen, bis in die Kindheit zurückreichenden Karriere sind der Sängerin die Falltüren des Business bewusst geworden: «Plötzlich kennt di ke Sou me», nennt sie die Gefahr beim Namen.

Wohl behütetes Privatleben
So weit ist es mit ihr aber nie gekommen. Im Gegenteil: «Der Erfolg hat bei mir nie richtig aufgehört», stellte Jordi nüchtern fest. Doch über die Realität ist sie sich im Klaren: «Man muss sehen, ich bin eigentlich ein Produkt.» Sie würde Konzertveranstaltern per Vertrag die Künstlerin Francine Jordi für den Abend zur Verfügung stellen. Aber verstellen würde sie sich nicht. Sie sei auf der Bühne dieselbe Person wie im Privatleben.
Letzteres hütet sie, so gut es geht. Seit sie mit der Velofahrer-Legende Tony Rominger liiert ist («wir lieben uns sehr») ist das schwieriger geworden. Typisch Jordi gewinnt sie auch diesem Umstand etwas Positives ab: Immerhin habe sie es dank der Promi-Beziehung dreimal aufs Titelbild der «Glückspost» geschafft – sagts, lacht und quiekt.
Jordis Gesangskarriere begann, als sie noch ein kleines Mädchen war. Im Kreis ihrer Familie machte sie damals musikalische Aufführungen für japanische Touristen. Mit 16 Jahren sang sie Gospel, mit 18 nahm sie klassischen Gesangsunterricht. Als sie mit 21 Jahren in einem Studio Hintergrundgesang aufnahm, wurde sie entdeckt und an den Grand Prix der Volksmusik geschickt. «An dem Samstag habe ich nichts vor», habe sie damals nur gedacht. Jordi ging, sang und siegte. Der Rest ist Schlager-Geschichte.

Schätzchen der Nation
Francine Lehmann, wie sie mit richtigem Namen heisst, hätte auch Alternativen gehabt: Nach zwei Jahren härtester Selektion hatte sie es als 20-Jährige von 2000 Bewerbern unter die Besten geschafft und hätte in die Flieger-RS einrücken können. Doch schliesslich zog sie süsse Schlagerklänge dem Dröhnen der FA-18 vor. So wurde sie zum «Schätzchen der Nation». Ob das ihrem Selbstbild entspräche, fragte «Volksstimme»-Redaktor Philipp Loser. Der Ausdruck sei ihr immerhin lieber als «Idiot der Nation», zeigte sich Jordi schlagfertig.
Der Karrieretiefpunkt – der drittletzte Platz am Eurovision «Song Contest» im vergangenen Jahr – hat bei Jordis Selbstwertgefühl offenbar keinen Knacks hinterlassen. Sie habe alles gegeben, jedoch das Gefühl gehabt, als Schweizerin negativ aufgenommen zu werden. «Niemand konnte mir sagen, was ich falsch gemacht habe», sagte sie. Einzig der «Sonntags-Blick» habe konstruktive Kritik geübt: «Sie haben geschrieben, ich hätte das falsche Kleid angehabt...»
Während ihrer Solotournée tritt Francine Jordi auch in der Region auf. Am Mittwoch, 17. Dezember, singt Jordi um 20 Uhr in der Mittenza in Muttenz. Vorverkauf bei LT Live Tour Music unter 071 931 32 22 oder auf der Homepage www.livetourmusic.ch


Volksstimme Nr. 140 / 2003