Nachtcafé vom 24.03.2011   Liste aller Gäste       

Adrian Stern
Sänger und Songwriter 

Adrian Stern Er singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er erzählt vom Auswandern und hat damit den Sprung in die Charts geschafft: Adrian Stern, Sänger aus Baden. Und dem Nachtcafé-Publikum gab er in der Oberen Fabrik sogar ein kleines Spontan-Konzert.

bas. Alles begann mit einem Pfadiliederbuch. Mit seinen verruchten Liedern faszinierte es den kleinen Adrian Stern, und so kam er zu den Songtexten. Mittlerweile hat der 36-jährige Musiker aus Baden die Hitparaden gestürmt und kürzlich den Swiss Music Award für den besten Pop-Rock-Song erhalten.
Am Donnerstagabend war Adrian Stern zu Gast im «Volksstimme»-Nachtcafé und unterhielt sich mit Talkmaster Robert Bösiger über seine Musik, seine Lieder und sein Leben. «Ich gebe wenig her für jene, die spannende Dinge über mich schreiben wollen», sagte Stern. Er sei in keinerlei Skandale verwickelt, er wolle einfach Musik machen. Und dies scheint ihm zu gelingen. Zwar ist Stern schon lange im Geschäft, war auch mal ein Jahr lang mit Sina als Gitarrist auf Tour, doch erst mit seinem aktuellen vierten Album «Herz» schaffte er vor einem halben Jahr den Durchbruch.
Stern hat sein Metier an der Jazzschule in Luzern erlernt. Sehr humorvoll erzählte er in der Oberen Fabrik von den prägenden Momenten in seinem Leben. Trotz Erfolg: Stern ist immer noch Stern und kein abgehobener Star. Er ist immer noch der nette Junge aus der Aargauer Nachbarschaft, der immer lächelt und dem die Frauenherzen zufliegen, obwohl er eine Lobeshymne auf seine langjährige Lebenspartnerin anstimmt. 

Eins zu eins
Adrian Stern schreibt die meisten Lieder selber, und wenn sie oft am Radio gespielt werden, verdient er nicht schlecht dabei. «Ich koste meinen derzeitigen Erfolg schon aus», gestand er dem Publikum, das er während des einstündigen Talks bestens unterhielt. «Cüpli-Anlässe» möge er nicht, sagte der Musiker, und Medien, die ihm seine Aussagen im Mund umdrehten, ebenfalls nicht: «Ich spreche gern eins zu eins, unverfälscht, wie hier. Das, was ich sage, ist das, was ihr hört.» Zwar werde er manchmal auf der Strasse angesprochen und um ein Autogramm gebeten, aber er könne sich überall frei bewegen.
In den meisten Liedern aus Sterns Feder spielen Beziehungen eine Rolle: «Zweierkisten lösen bei mir Song-Ideen aus», erklärte er dazu. Die Gefühlswelt des Menschen sei perfekt, um Lieder daraus zu machen. Von politischen oder gesellschaftskritischen Themen lasse er  hingegen lieber die Finger – «viele machen das nicht sehr gut».
Seine Lieder schreibt der Badener, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, also in Aargauerdeutsch. Zwar habe er sich einmal in hochdeutsch versucht, sagte er, aber er blieb damit ohne Erfolg – was er nicht bedauert. Eine weitere Unmöglickeit sei für ihn eine Teilnahme am Eurovision Song Contest. «Das ist eine eigene Musikwelt», so Stern. Eine, die ihm fremd ist. 

Weg vom Hochnebel
Und wie war das mit dem Auswandern nach Amerika, das Stern in seinem neuen Hit besingt? «Baden ist im November wahnsinnig hochnebelverwöhnt», sagte Stern lakonisch; da gebe es schon hin und wieder Momente, in denen er nach San Francisco wolle. «Aber der Song bleibt ein Song», stellte er klar.
Nicht nach Amerika, sondern nach Basel kommt Adrian Stern übrigens am Freitag («am 1. April, aber es ist kein Scherz») und gibt im Sommercasino ein Konzert. Aber auch in Sissach kam das zahlreich erschienene Publikum am Schluss sogar noch in den Genuss von zwei Liedern, die Stern, sich selber auf der akkustischen Gitarre begleitend, zum Besten gab: «Amerika» und «Nr. 1».

Volksstimme Nr. 37 / 2011